Was erlaubst du dir da eigentlich?

Liest du das jetzt eher als eine Beschuldigung, als einen Angriff oder als eine Einladung?

Heute Morgen sitze ich am Ofen. Meine Füße werden langsam warm. Ich überlege, was heute noch alles zu tun ist. Oder ob ich einfach sitzen bleibe.
Sofort kommt ein Gedanke: Darfst du dir das erlauben? Du musst doch noch so viel erledigen.

Und schon bin ich in der Schlechtes-Gewissen-Spirale. Ich bin erschrocken, wie schnell die bei mir losdreht. Wie sich sofort eine To-do-Liste vor meinem inneren Auge ausrollt und ich in einem inneren Konflikt stecke. Der ist körperlich spürbar, weil sich mein Brustraum verengt.
Und anstatt jetzt einfach nur dazusitzen und zu genießen, wie meine Füße vom Feuer gewärmt werden, schreibe ich diesen Text darüber, wie schwer es sein kann, sich etwas zu gönnen.
Du siehst also: Mir fällt es selbst nicht immer leicht, einfach nur dazusitzen. Nichts zu tun. Zu genießen.

In meiner MBSR-Lehrer-Ausbildung ist mir ein Satz nachhaltig in Erinnerung geblieben:

You teach best what you need most!

Für mich ein wichtiger und hilfreicher Satz, da er mir unendlich viel Druck von den Schultern nimmt.

Ich muss nicht erst ein anderer Mensch werden, um freundlich mit mir umgehen zu können. Und das ist genau das, was die Achtsamkeit für mich so versöhnlich macht.

Ich muss auch nicht meinen inneren Antreiber loswerden. Vielleicht reicht es für den Anfang, ihn zu bemerken.

Da sitzt er also wieder mit mir am Ofen. Er hat eine lange Liste dabei und ziemlich gute Argumente, warum ich jetzt wirklich etwas Sinnvolles tun sollte.

Und ich? Ich könnte ihm zuhören. Über ihn schmunzeln.

Und dann trotzdem sitzen bleiben.

Denn manchmal ist es gar nicht so einfach, sich etwas zu erlauben. Nicht erst, wenn alles erledigt ist. Nicht als Belohnung für besondere Leistungen. Sondern einfach so.

Vielleicht kennst du das auch.
Vielleicht fällt es dir ebenfalls leichter, für andere da zu sein, Aufgaben zu erledigen und Erwartungen zu erfüllen, als dir selbst eine Stunde, einen Nachmittag oder sogar ein paar Tage zu schenken.

In meinen Retreats geht es auch darum, solche Räume zu öffnen. Räume, in denen du nichts erreichen, niemandem etwas beweisen und auch nicht erst ein anderer Mensch werden musst.

Du darfst einfach da sein. Mit allem, was gerade zu dir gehört.

Und vielleicht beginnt genau dort etwas, das im Alltag manchmal so schwerfällt: sich selbst wieder die Erlaubnis zu geben, das eigene Leben nicht nur zu erledigen, sondern auch zu genießen.

Was erlaubst du dir da eigentlich?

Vielleicht ist das eine viel freundlichere Frage, als sie zunächst klingt.

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Häufige Fragen zu Achtsamkeit und dem Sich-etwas-Erlauben

Viele Menschen haben verinnerlicht, dass ihre Zeit sinnvoll genutzt werden muss. Ruhe erscheint dann schnell als etwas, das man sich erst verdienen muss. Der innere Antreiber meldet sich, selbst wenn gerade nichts Dringendes ansteht.

Achtsamkeit kann helfen, solche Gedanken und Gewohnheiten wahrzunehmen, ohne ihnen automatisch folgen zu müssen.

Achtsamkeit bedeutet nicht, unangenehme Gedanken oder Gefühle loszuwerden. Es geht zunächst darum, sie bewusst wahrzunehmen, ohne sich dafür zu verurteilen.

So kann ein kleiner Freiraum entstehen, in dem wir entscheiden, wie wir mit uns selbst umgehen möchten.

Nein. Der innere Antreiber ist nicht grundsätzlich unser Feind. Er kann uns motivieren und dabei helfen, Verantwortung zu übernehmen.

Schwierig wird es, wenn er ständig bestimmt, was wir tun dürfen und was nicht. Achtsamkeit lädt dazu ein, diese Stimme wahrzunehmen, ohne ihr immer gehorchen zu müssen.

Ein Achtsamkeits-Retreat bietet die Möglichkeit, für einige Tage aus den gewohnten Verpflichtungen und Abläufen auszusteigen.

Durch Meditation, achtsames Wandern und Zeiten der Stille entsteht Raum, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse wieder bewusster wahrzunehmen.

Dabei geht es nicht darum, etwas erreichen oder ein anderer Mensch werden zu müssen.

Manchmal tut es gut, den gewohnten Alltag für einige Tage hinter sich zu lassen.

In meinen Wander- und Schweige-Retreats verbinden wir achtsames Wandern in der Natur mit Sitz- und Gehmeditation, Zeiten der Stille und sanften Körperübungen.

Nicht, um noch etwas zu leisten. Sondern um wieder bewusster wahrzunehmen, was gerade da ist.

Vielleicht ist das eine Gelegenheit, dir selbst etwas zu erlauben.

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